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Wie wir im Auftrag der Stadt den Hafen entwickeln

Hin und wieder wird in den Öffentlichkeit etwas Verwunderung über die Aktivitäten von KommWohnen am Hafen Görlitz des Berzdorfer Sees geäußert. Jüngstes Beispiel ist ein Arbeitspapier der Görlitzer SPD. Darin fordert die Partei, KommWohnen solle mehr in die Schaffung von Vier- bis Fünfraumwohnungen investieren und nicht in die Errichtung von Feriendörfern. In der Tat tun wir beides. Und zwar im Auftrag der Stadt. Weil dies in der Öffentlichkeit hin und wieder in Vergessenheit zu geraten scheint, beantworten wir hier die häufigsten Fragen.

 

Wieso ist KommWohnen als Wohnungsbaugesellschaft beim Thema Hafen überhaupt involviert?

Im Jahr 2010 hat der damalige Oberbürgermeister Joachim Paulick den KommWohnen-Geschäftsführer (damals noch als WBG Görlitz) Arne Myckert darum gebeten, die baulichen Strukturen im Hafen zu ermöglichen. Und fand grundsätzliche Bereitschaft.

Ursprünglich sollte sich aber ein externer, privater Betreiber um den Hafen kümmern. Warum ist daraus nichts geworden?

Die Stadtverwaltung wollte das so und gab im März 2011 die erste Ausschreibung dafür heraus. Es meldeten sich mehrere Interessenten, mit denen aber jeweils kein Vertrag zustande kam aus verschiedenen Gründen: teils wegen zu unterschiedlicher Vorstellungen zur Pachthöhe der Hafenanlage, teils wegen zu geringer finanzieller Mittel zur Errichtung der Hafeninfrastruktur, teils wegen weitreichender Ausschreibungsbedingungen. Interessenten für die reine Hafenbetreibung gaben auf wegen der unklaren Regelung, was die Zulassung von Motorbooten oder andere Rahmenbedingungen den See betreffend angeht.

Warum entwickelt KommWohnen auch die Halbinsel und nicht nur den Hafen?

Im Juli 2012 entschied der Aufsichtsrat der WBG, dass sie als Tochterunternehmen der Stadt die Hafenbetreibung übernimmt. Alle waren sich einig, dass die Betreibung nur im Zusammenhang mit Erwerb und Entwicklung der Halbinsel vorstellbar ist (Quersubventionierung). Auch über die langfristige Nach-und-nach-Entwicklung des Areals herrschte Einigkeit. Schließlich sollte alles von der Wohnungsbaugesellschaft wirtschaftlich tragbar sein. „Wir können keine Infrastruktur ohne Erlösmöglichkeit schaffen“, sagt Arne Myckert. Und: „Investitionen erfolgen auf Sicht entsprechend des Bedarfs bzw. der Nachfrage.“ So sagte er es auch im Januar 2012 im Stadtrat, der dem Konzept dann einstimmig zugestimmt hat. Im Juni 2013 ging die Halbinsel in den Besitz der WBG/KommWohnen über.  Mit der Vergabe der touristisch hochattraktiven Halbinsel an ein stadteigenes Unternehmen sollen auch Investruinen verhindert werden. „Leider haben viele vergessen, wie groß damals die Angst war vor Planern, die Projekte und Infrastruktur zu hohen Kosten vorantreiben, wenn sich dann kein Investor findet und wir jahrelang Brachen am See haben“, sagt Arne Myckert. Er erinnert an den Dokumentarfilm „Henners Traum“, der von solchen Vorgängen im nordhessischen Beberbeck berichtet – und in dem derselbe Planer eine Rolle spielt, der sich 2011 auch für den Berzdorfer See interessiert hat.

Hat KommWohnen überhaupt Erfahrung im Tourismus?

Ja. Das Unternehmen betreibt seit einigen Jahren nicht nur mehrere Ferienwohnungen in Innen- und Altstadt, sondern auch die „ Villa Ephraim“ an der Goethestraße. Die Übernachtungszahlen gehen ständig aufwärts, 2017 waren es 12.000.

Ferienhäuser an der südlichen Hafenzeile und auf der Halbinsel würden mit der dazugehörigen Infrastruktur über 100 Arbeitsplätze neu und dauerhaft schaffen. Tourismus als Jobmotor – erst recht, wenn der See den marketingstrategisch besseren Namen „Görlitzer See“ trägt und so von Menschen im ganzen Land leichter wahrgenommen wird. „Marken haben im Wettbewerb eine große Bedeutung. Dies bezieht sich ausdrücklich auch auf Regionalmarken. Edamer, Gouda, Emmentaler, Champagner, Lyoner Wurst, Parma-Schinken – all diese  Produktbezeichnungen basieren auf dem Herkunftsort“, so Arne Myckert. „Görlitz hat mittlerweile den Status einer Marke. Ein See mit der Bezeichnung Görlitzer See würde unmittelbar von diesem positiven Image profitieren.“ Also: Hoher Bekanntheitsgrad = mehr Touristen = mehr Umsätze = mehr Arbeitsplätze.

Spielen die Vorschläge des Tourismusexperten Johann-Friedrich Engel noch eine Rolle, die 2013 vorgestellt wurde?

WBG/KommWohnen hatte ursprünglich eigene Workshops mit Experten zur Entwicklung des Sees geplant. Diese wurden aber abgesagt, nachdem der neue OB Siegfried Deinege 2012 Herrn Engel mit einer Studie betraut hatte. Später wollte die Stadtverwaltung die Ergebnisse auf Machbarkeit prüfen und daraus eine Entwicklungsstrategie für den See als auch eine Handlungsanweisung für KommWohnen als Hafenbetreiber erarbeiten. Das ist bis heute nicht geschehen. Deshalb hat sich KommWohnen nach und nach selbst mit der Strategie beschäftigt, um keinen Stillstand am Hafen zu haben.

Am See geht es seit Jahren nur sehr langsam voran. Reden KommWohnen und Stadtverwaltung zu wenig miteinander?

Nein. Seit 2013 sind etliche Briefe an die Stadtverwaltung gegangen, es gab viele persönliche Treffen der Verantwortlichen. KommWohnen hat mehrfach Stellungnahmen zu wichtigen Themen wie Schiffbarkeitserklärung, Motorbootzulassung, Segelstützpunkt an der Blauen Lagune und Anderem abgegeben. Und um Klärung von Fragen gebeten, wie Artenschutzgutachten, Zulassung von Hausbooten, Fördermöglichkeiten, Bebauungsplanverfahren, Baurecht etc.

Wieso hat der Bau des Hafengebäudes so lange gedauert?

Im März 2015 wurden die Planungsleistungen nach einem Wettbewerb unter einer Handvoll  von Entwürfen, die anonym bewertet wurden, an das Görlitzer Architekturbüro Kück vergeben. In der kommenden Zeit gab es immer wieder Verzögerungen wegen der besonderen Lage des Hafengebäudes. Der Bebauungsplan war mit hohen Auflagen verbunden. „Wir sind als Wohnungsbauunternehmen ja erfahren mit Bauvorhaben“, sagt Geschäftsführer Myckert, „aber dort hatten wir es mit Bergrecht, Gewässerrecht, Naturschutz, ökologischer Baubegleitung und manchem mehr zu tun. Das war auch für uns neu und anstrengend.“ Im Juli 2016 war Baubeginn. Und dann war es auch beim Innenausbau schwierig. Ein potentieller Betreiber hatte Gestaltungswünsche, die nach dessen Absage der nächste Betreiber wiederum ganz anders haben wollte. Schlechte Voraussetzungen für eine schnelle Fertigstellung. Mit allen Interessenten hat es nicht geklappt, woraufhin KommWohnen sich im April 2018 zum Eigenbetrieb des Cafés entschied. Seither ist das Angebot ständig gewachsen. Nach dem Kiosk im Mai 2018 hat auch das Café im Herbst eröffnet.

 

Wie es heute im Hafencafé, am Bootssteg und am Strand läuft, ist hier in einem Video zu sehen.